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Gaskinetik 1. Einleitung 2. Allgemeines Gasgesetz 3. Maxwellsche Geschwindigkeitsverteilung
4. Anwendungsbeispiele 1. Einleitung Das Gasgemisch Luft ist allgegenwärtig. Dementsprechend vielfältig und facettenreich sind die Geschichten, die einem die Schüler erzählen, wenn man sie nach Alltagserfahrungen mit Luft bzw. Gasen fragt. Drei Beispiele mögen diese Aussage verdeutlichen. Eine Schülerin berichtete vom Urlaub mit ihren Eltern in den Alpen. Sie hätten zwei Plastikflaschen mit Eistee mit auf einen Berg genommen. Oben angekommen hätten sie ihren großen Durst gelöscht und dann die Flaschen wieder fest verschlossen. Als sie die Flaschen abends im Tal aus dem Rucksack genommen hätten, wären sie ganz zusammengedrückt gewesen. Ein Schüler gab voller Begeisterung folgende Begebenheit zum Besten. Am Tag der offenen Tür hätte er mit seinem Vater die Feuerwehr besucht. Ein Feuerwehrmann hatte einen Metallständer gebastelt, mit dem er Spraydosen wie Raketen in den Himmel geschossen hätte. Sie wären bestimmt 30 m hoch geflogen. Dazu hätte er die Dosen nur mit einem Propangasbrenner erhitzt. Gleichzeitig hätte er aber dringend davor gewarnt, Spraydosen einfach ins offene Feuer zu werfen. Sie könnten dann unkontrolliert durch die Gegend fliegen und schwere Verletzungen verursachen. Ein Schüler erzählte von einem Taucherkurs, den er in den Ferien absolviert hätte. Vor allem habe der Tauchlehrer immer wieder darauf hingewiesen, nicht zu schnell aufzutauchen und beim Auftauchen unbedingt auszuatmen. Sonst könnte die Lunge reißen oder es könnten sich Luftbläschen im Blut bilden, die die Adern verstopfen könnten. Und das könnte lebensgefährlich werden. Beim Versuch, diese Beobachtungen zu erklären, fallen meist Begriffe wie Temperatur, Druck, Wärme, Luftdruck, Ausdehnung von Gasen. Damit ist der Weg gewiesen, sich dem Verhalten von Gasen physikalisch exakt zu nähern. Offenbar besteht für Gase ein gesetzmäßiger Zusammenhang zwischen den physikalischen Größen Druck, Temperatur und Volumen. Und dieses Gesetz gilt es nun herauszufinden und zu erklären. 2. Allgemeines Gasgesetz 2.1 Qualitative Aussagen Mit einer Reihe einfacher qualitativer Versuche lassen sich die Grundaussagen des allgemeinen Gasgesetzes demonstrieren. Stellvertretend seien hier zwei näher vorgestellt. Versuch 1: Versuchsaufbau: ![]() Abb. 1 : zu Beginn des Versuches
Durchführung: Beobachtung: Erklärung: Folgerung: Versuch 2: Versuchsaufbau und Versuchsdurchführung:
Beobachtung: Erklärung: Folgerung: Im folgenden Kapitel werden diese qualitativen Ergebnisse durch Versuche quantitativ erfasst. 2.2 Experimentelle Herleitung des Gesetzes 2.2.1 p-V-Gesetz Versuch 1: Versuchsaufbau:
Das Gerät besteht aus einem kleinen Kolbenprober aus Plastik, der in einen Holzklotz eingelassen wurde. Den Kolben bedeckt man mit einer kleinen Metallplatte. Er hat einen Durchmesser von d = 2,17 cm. Die Metallplatte wiegt mP = 28 g. Sie wird mit Massestücken bis maximal mG = 5 kg belastet. Durchführung: Ergebnisse:
Die Temperatur betrug T = 20 °C. Auswertung: PG = mges*g/(π*d2/4) mit g als Ortsfaktor. Er beträgt in unseren Breiten g = 9,81 N/kg. Der gesamte Druck auf die eingeschlossen Luft errechnet sich dann zu P = PG + PL, wobei PL zum Zeitpunkt des Versuches einen Wert von PL = 1010 hPa aufwies. Setzt man alle Angaben in die Gleichungen für den Druck P ein, so entsteht aus der Tabelle 1 folgende Tabelle 2:
Aus der letzten Zeile der Tabelle kann man ablesen, dass das Produkt aus Druck P und Volumen V konstant ist, d.h. V ist antiproportional zu P: V ~ 1/P. Somit gilt: P*V = a (1) mit a als Proportionalitätskonstante. Dieses Ergebnis bestätigt sich, wenn man die Tabelle 2 mit Excel grafisch auswertet. Abb. 2 enthält die Ergebniskurve.
Die Auswertung liefert für die Proportionalitätskonstante a einen Wert von a = 23229 hPa*ml 2.2.2 V-T-Gesetz Versuch 2: Versuchsaufbau:
Durchführung: Ergebnisse:
Aus der letzten Zeile der Tabelle kann man ablesen, dass der Quotient aus Volumen V und Temperatur T konstant ist, d.h. V ist proportional zu T: V ~ T. Somit gilt: V = b*T (2) mit b als Proportionalitätskonstante. Dabei muss man allerdings die Temperatur in Kelvin einsetzen. Historisch gesehen war das Ergebnis dieses Versuches der Grund, die Kelvin-Skala als wissenschaftliche Temperaturskala einzuführen. Denn Gase können kein negatives Volumen annehmen.
Dem Nulldurchgang der Ergebnisgeraden in Abb.4 muss also die tiefste mögliche Temperatur entsprechen, eine Hypothese, die sich im nach hinein als vollkommen zutreffend erwiesen hat. Dem absoluten Nullpunkt der Temperatur kommt jedoch mehr theoretische Bedeutung zu, da reale Gase bei dieser Temperatur längst flüssig bzw. fest geworden sind. Somit kann man sich dieser Temperatur experimentell auch nur nähern, sie aber niemals praktisch erreichen. Lord Kelvin hat übrigens in seinen Versuchen den Druck in Abhängigkeit von der Temperatur gemessen hat. Für den Druck gilt jedoch ein ähnliches Gesetz, wie wir noch sehen werden. Auf diesem Ergebnis hat er dann die nach ihm benannte Temperaturskala aufgebaut. Benutzt man dagegen die Celsius-Temperatur, so findet man einen linearen Zusammenhang zwischen Volumen V und Temperatur υ. Somit gilt: V = b*υ + V0, wobei b den gleichen Wert hat wie in Gesetz (2), in dem mit Temperaturangaben in K gerechnet wurde, da Temperaturdifferenzen in beiden Temperaturskalen identische Werte haben. Aus der Steigung der Geraden kann man die Celsius-Temperatur am absoluten Nullpunkt errechnen. Aus der Kurve in Abb.4 ergibt sich eine Steigung b von b = 0,2075 ml/°C Der V-Achsenabschnitt beträgt V0 V0 = 56 ml. Für die gesuchte Celsius-Temperatur υ0 gilt V = 0, also: 0 = b*υ0 + V0 oder υ0 =
-V0/b = 56 ml/(0,2075 ml/°C) Genauere Messungen lieferten einen Wert von υ0 = -273,15 °C. 2.2.3 P-T-Gesetz Versuch 3: Versuchsaufbau: Durchführung:
Ergebnisse:
Aus der letzten Zeile der Tabelle kann man ablesen, dass der Quotient aus Druck P und Temperatur T konstant ist, d.h. P ist proportional zu T: P ~ T. Somit gilt: P = c*T (3) mit c als Proportionalitätskonstante. Dabei muss man allerdings wie beim Volumen die Temperatur in Kelvin einsetzen. Der Mittelwert des Proportionalitätsfaktors beträgt: c = 3,473 hPa/K
2.2.4 Allgemeines Gasgesetz Die drei Versuchsergebnisse lassen sich in einem Gesetz zusammenfassen. Dazu muss man einen wichtigen Lehrsatz der Mathematik heranziehen, der besagt: Ist eine Größe, in unserem Beispiel das Volumen, zu zwei anderen Größen proportional, hier der absoluten Temperatur T und dem Kehrwert des Druckes 1/P, so ist sie auch zum Produkt der beiden Größen proportional. Es gilt somit: V ~ T*1/P oder V = d*T/P mit d als Proportionalitätsfaktor. Zwischen ihm und den Konstanten aus den experimentellen Ergebnissen bestehen folgende Zusammenhänge: d = a/T0 bzw. d = b*P0, d = c*V0, wobei T0 = 294 K die konstante Messtemperatur beim ersten Versuch, P0 = 1010 hPa der konstante Druck beim zweiten Versuch und V0 = 0,001 m3 das konstante Volumen beim dritten Versuch war. Somit erhält man für c aus den drei Versuchen: d1 = 2,33 J/294 K d2 = 2,075*10-7*1,01*105
m3*N/(m2*K) d3 = 347,3*0,001 (N*m3/(K*m2) Auf den ersten Blick ist das Ergebnis überraschend, denn c ist offensichtlich gar keine Konstante. Das ist in der Tat auch der Fall. Worin liegt nun der Grund für dieses seltsame Ergebnis? c ist nur dann für alle Versuche gleich, wenn man vom gleichen Ausgangsvolumen, also der gleichen Stoffmenge des Gases ausgeht. Wiederholt man nämlich den Versuch zur Abhängigkeit zwischen V und T mit V0 = 30 ml Luft, so beträgt die Steigung der Kurve nur die Hälfte, denn auch in diesem Falle ist das Volumen erst bei T = 0 K auf V = 0 ml gesunken. Das ist aber nur möglich, wenn der Proportionalitätsfaktor bei halbiertem Ausgangsvolumen ebenfalls auf die Hälfte sinkt. Interessant ist außerdem, dass die Messergebnisse für alle Gase gelten, d.h. auch mit CO2 oder anderen Gasen erhält man die gleichen Versuchsergebnisse. Es lässt sich daher eine allgemeine Gaskonstante R definieren, für die gilt: R = c/n mit n als Stoffmenge des Gases. Die Stoffmenge kann man aus der Dichte und der Molmasse der Luft errechnen. Beide Werte kann man der Literatur entnehmen oder man bestimmt sie experimentell selbst, die Dichte mit einer Gaswägekugel, die Molmasse mit einer Gasmolwaage. Man erhält so bei 20°C folgende Werte: ρ = 1,2 g/l und M = 28.9 g/mol. Für die Stoffmenge gilt n = m/M = ρ*V/M. Für Versuch 1 erhält man: n1 = (1,2 g/l*0,023 l)/(28.9 g/mol) Analog ergeben sich für Versuch 2 und 3: n2 = (1,2 g/l*0,06 l)/(28.9 g/mol) n3 = (1,2 g/l*1 l)/(28.9 g/mol) Für die allgemeine Gaskonstante R folgt daher aus den drei Versuchen: R1 = d1/n1 R2 = d2/n2 R3 = d3/n3 im Mittel also: R = 8,37 J/(K*mol). In der Literatur wird ein Wert von R = 8,31 J/(K*mol) angegeben. Fasst man alle Ergebnisse zusammen, so gelangt man letztendlich zum so genannten allgemeinen Gasgesetz V = n*R*T/P oder P*V = n*R*T. Aus diesem Gesetz folgt, dass bei konstantem Volumen V und damit konstanter Stoffmenge n auch P proportional zur absoluten Temperatur T sein muss. Dieses Ergebnis hatte Lord Kelvin in seinen Versuchen erhalten und damit die Einführung der absoluten Temperaturskala begründet (s. Kapitel 2.2.2). Wie man das allgemeine Gasgesetz mit statistischen Überlegungen deuten kann, wird im nächsten Kapitel gezeigt. 2.3 Einfache statistische Deutung des Gesetzes Der Druck eines Gases auf die Gefäßwände wird durch die Impulsänderung verursacht, die jedes Teilchen bei seiner Reflexion an der Wand erfährt. Das eingeschlossene Gas bestehe aus N Teilchen der Masse m. Die vektorielle Geschwindigkeit eines Teilchens setzt sich aus den Komponenten der drei Raumrichtungen x, y und z zusammen. Trifft ein Teilchen mit dem Geschwindigkeitsbetrag vx, vy oder vz senkrecht auf eine Wand in x-, y- bzw. z-Richtung, so wird es durch den elastischen Stoß betragsmäßig mit der Geschwindigkeit -vx, -vy bzw. –vz reflektiert. Es erfährt also aufgrund des Impulserhaltungssatzes eine Impulsänderung Δpx = 2*m*vx, Δpy = 2*m*vy bzw. Δpz = 2*m*vz.
Im Zeitintervall Δt treffen diejenigen Teilchen ΔN auf die Wandfläche in x-Richtung, die sich in einem Quader mit der Grundfläche A und der Höhe h = vx*Δt, also im Teilvolumen ΔV = A*vxΔt befinden. Ihr Anteil an der gesamten Zahl N der vorhandenen Gasteilchen im Volumen V beträgt: ΔN/N = ΔV/V = A*vx*Δt/V, also ΔN = N*A*vx*Δt/V. Von diesen Teilchen bewegt sich die Hälfte auf die Wand zu, die andere von der Wand weg. Sie übertragen durch ihren Impuls also einen Kraftstoß F*Δt = 1/2*ΔN*Δpx = 1/2*N*A*vx*Δt*2*m*vx/V = N*A*Δt*m*vx2/V auf die Wand in positiver x-Richtung. Der Druck P des Gases auf die Gefäßwand entspricht der Kraft F geteilt durch die Fläche. Somit gilt: P = F/A = N*m*vx2/V Da die Bewegungen ungeordnet sind, sind die Geschwindigkeitsquadrate in alle drei Raumrichtungen gleich groß. Somit ist vx2 = vy2 = vz2 = 1/3*v2. Damit lässt sich der Druck eines Gases auf eine Gefäßwand in beliebiger Richtung berechnen als P = 1/3(N/V)*m*v2 oder P*V = 1/3(Nm)*v2 = 2/3*N*1/2*m*v2 = 2/3*N*Ekin. Vergleicht man dieses Ergebnis mit dem allgemeinen Gasgesetz, so folgt: 2/3*N*Ekin = n*R*T oder Ekin = 3/2*R*T/NA = 3/2*k*T (1) mit k = R/NA und NA = N/n NA nennt man Avogadrosche Zahl. Sie entspricht der Zahl der Teilchen in n = 1 mol eines beliebigen Stoffes. k heißt Boltzmannsche Konstante und hat den Wert k = R/NA Entsprechend den drei Raumrichtungen besitzt jedes Gasteilchen drei voneinander unabhängige Bewegungsmöglichkeiten. Da die Bewegungen ungeordnet sind, wird keine Richtung bevorzugt. Daher entfällt auf das einzelne Teilchen die thermische Energie pro Raumrichtung Ekin = 1/2*k*T Mehratomige Gasmoleküle können zusätzlich Drehbewegungen und Schwingungen ausführen. Pro Rotations- und Oszillationsfreiheitsgrad besitzt das Molekül zusätzliche innere Energie, die der obigen Formel entspricht. Die absolute Temperatur erhält durch diese Beziehung eine anschauliche physikalische Bedeutung. Nicht nur der Druck, sondern auch die Temperatur wird durch die ungeordnete Bewegung der Teilchen verursacht. Temperatur und Druck sind Wahrscheinlichkeitsgrößen, die nur bei einer sehr großen Zahl von Teilchen sinnvoll verwendet werden können. Einem einzelnen Atom oder Molekül eine Temperatur zuzusprechen, ist sinnlos. Durch diese Deutung wird auch die Bezeichnung absoluter Nullpunkt der Temperatur verständlich. Da das Geschwindigkeitsquadrat keine negativen Werte annehmen kann, ist Ekin = 0 der kleinste überhaupt mögliche Wert für die kinetische Energie. Damit ist für die Temperatur eine natürliche untere Grenze gegeben, der absolute Nullpunkt. Bei T = 0 K sind die Teilchen in Ruhe. Aus Gleichung 1 erhält man für die Geschwindigkeit eines Atoms oder Moleküls in einem Gas: v = (3*k*T/m)1/2. Für ein Gas aus Silberatomen der Temperatur T = 2300 K ergibt sich: v = ((3*1,3805*10-23*2300
J*K)/(107,9*1,66*10-27 K*kg))1/2 Otto Stern [1] überprüfte dieses Ergebnis experimentell und erhielt: v = 675 m/s. Theoretischer und experimenteller Wert weichen also nicht unerheblich voneinander ab. Warum das so ist, erfahren Sie im nächsten Kapitel. 2.4 Zustandsänderungen idealer Gase Da im allgemeinen Gasgesetz drei Größen miteinander verknüpft sind, kann ein Gas in einen neuen Zustand übergehen, indem sich zwei dieser drei Größen ändern und die dritte konstant bleibt oder alle drei gleichzeitig einen neuen Wert annehmen. Für das theoretische Verständnis von Vorgängen in Wärmekraftmaschinen sind vor allem Zustandsänderungen von Interesse, bei denen eine der drei Größen ihren Wert behält. Ist die Temperatur konstant, so spricht man von isothermen Vorgängen, bei konstantem Druck von isobaren und bei konstantem Volumen von isochoren Zustandsänderungen. Sie sind jeweils mit einem Energieaus-tausch mit der Umgebung verbunden. Daneben spielen noch adiabatische Änderungen eine Rolle, bei denen sich alle drei Größen ändern, jedoch keine Energie mit der Umgebung ausgetauscht wird. Diese vier Fälle sollen in diesem Kapitel näher untersucht werden. Abb.1 veranschaulicht sie in einem pV-Diagramm. Darin entspricht Linie I einer adiabatischen, Linie II einer isochoren, Linie III einer isothermen und Linie IV einer isobaren Zustandsänderung eines einatomigen Gases.
2.4.1 Isotherme Zustandsänderungen V2 V2 V2 = n*R*T*ln(V2/V1).
2.4.2 Isobare Zustandsänderungen Q = W + Ekin = (n*R*p/p)*dT + (z*N*k/2)*dT unter Anwendung des allgemeinen Gasgesetzes und der Gleichung für die kinetische Energie eines Moleküls aus Kapitel 2.3. Darin bedeutet z die Zahl der Freiheitsgrade eines Moleküls. Die restlichen Größen haben die übliche Bedeutung. Mit N*k = n*NA*k = n*R folgt Q = n*R*dT(1 + z/2). Einatomige Gase besitzen drei Freiheitsgrade, da sie sich nur in drei Raumrichtungen bewegen können. Für sie gilt daher: Q = (5/2)*R*n*dT = cp*n*dT, mit cp = (5/2)*R als molarer Wärmekapazität bei konstantem Druck. Zweiatomige Gase haben zwei zusätzliche Rotationsfreiheitsgrade. Für sie findet man also: cp = (7/2)*R. Dass diese Überlegungen sehr gut mit experimentellen Befunden übereinstimmen, zeigt die folgende Tabelle 1.
Tabelle 1: molare Wärmekapazitäten bei konstantem Druck6) Dabei besitzen Argon-, Helium- und Neonmoleküle als einatomige Edelgase drei Freiheitsgrade, Chlorwasserstoff-, Sauerstoff-, Stickstoff- und Wasserstoffmoleküle als zweiatomige Gase fünf Freiheitsgrade und Kohlendioxidmoleküle als dreiatomiges Gas sieben Freiheitsgrade, nämlich drei Translations-, zwei Rotations- und zwei Oszillationsfreiheitsgrade. 2.4.3 Isochore Zustandsänderungen Q = n*R*dT*z/2). Einatomige Gase besitzen drei Freiheitsgrade, da sie sich nur in drei Raumrichtungen bewegen können. Für sie folgt daher: Q = (3/2)*R*n*dT = cV*n*dT, mit cV = (3/2)*R als molarer Wärmekapazität bei konstantem Volumen. Zweiatomige Gase haben zwei zusätzliche Rotationsfreiheitsgrade. Für sie findet man also: cV = (5/2)*R. Dass diese Überlegungen sehr gut mit experimentellen Befunden übereinstimmen, zeigt die folgende Tabelle 2.
Tabelle 2: molare Wärmekapazitäten bei konstantem Volumen6) Dabei besitzen Argon-, Helium- und Neonmoleküle als einatomige Edelgase drei Freiheitsgrade, Chlorwasserstoff-, Sauerstoff-, Stickstoff- und Wasserstoffmoleküle als zweiatomige Gase fünf Freiheitsgrade und Kohlendioxidmoleküle als dreiatomiges Gas sieben Freiheitsgrade, nämlich drei Translations-, zwei Rota-tions- und zwei Oszillationsfreiheitsgrade. Zwischen der molaren Wärmekapazität bei konstantem Druck cp und der molaren Wärmekapazität bei konstantem Volumen cV besteht also folgender Zusammenhang (vgl. Kapitel 2.4.2): Cp – cV = R. 2.4.4 Adiabatische Zustandsänderungen Q = W + Ekin, wobei die Größen folgende Bedeutung haben: Q: ausgetauschte Wärme, Da in diesem Falle Q = 0 ist, folgt: -W = Ekin. Setzt man die Werte aus Kapitel 2.4.2 und 2.4.3 ein, so findet man: -p*dV = n*CV*dT. (1) Das Gas kühlt sich also ab, wenn es sich ausdehnt und erwärmt sich bei einer Kompression. Aus der allgemeinen Gasgleichung erhält man für T: T = p*V/(n*R) oder nach Differenzierung dT = p*dV/(n*R) + V*dp/(n*R). Einsetzen in Gleichung (1) liefert: -p*dV = cV*p*dV/R + cV*V*dp/R. Umstellen der Gleichung führt zu: -(1 + cV/R)*p*dV = cV*R*V*dp/R. Multipliziert man mit R/cV durch, so ergibt sich -( R/cV + 1)*p*dV = V*dp (2). Nach Kapitel 2.4.3 gilt: Cp – cV = R oder Cp/cV - 1 = R/cV und damit Cp/cV = R/cV + 1 = κ. Das Verhältnis der beiden molaren Wärmekapazitäten wird in der Literatur meist mit κ abgekürzt. Damit vereinfacht sich Gleichung (2) zu: -κ*p*dV = V*dp. Sortieren der Größen p und V führt zu: -κ*dV/V = dp/p. Integriert man diese Gleichung, so folgt: -κ*lnV + c = lnp mit c als Integrationskonstante. Potenzieren ergibt: c*V-κ = p oder c = p*Vκ bzw. p*Vκ = c. Diese Gleichung heißt Adiabatengleichung oder Poisson-Gleichung. Adiabaten verlaufen im pV-Diagramm (s. Abb.1) steiler als Isotherme wegen des Exponenten κ beim Volumen. Bei Isothermen ist ja p*V = const. 3. Maxwellsche Geschwindigkeitsverteilung 3.1 Einleitung Behandelt man die Gaskinetik anhand einfacher statistischer Überlegungen (s. Kapitel 2.3) und vergleicht die dabei erhaltenen Werte für die Geschwindigkeiten vm mit den von Stern [1] gemessenen Werten, so stellt man fest, dass die experimentellen Werte um knapp 10 % unter den theoretischen liegen. Irgendeine Annahme der einfachen Gaskinetik muss also zu global sein. Da bei den Geschwindigkeiten Abweichungen auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass die Annahme einer gleichen Geschwindigkeit für alle Gasteilchen bei einer gegebenen Temperatur zu einfach ist. Erhärtet wird diese Vermutung, wenn man bedenkt, dass die Gasteilchen ständig von anderen Gasteilchen gestoßen werden, so dass sie immer wieder beschleunigt bzw. abgebremst werden. Die Aufgabe besteht nun darin, die Zahl der Teilchen zu ermitteln, die eine bestimmte Geschwindigkeit besitzen. Gelöst hat als erster diese Aufgabe Maxwell. Im folgenden habe ich versucht, die Ableitung Maxwells [2] so aufzuarbeiten, dass sie in einem Leistungskurs der Klasse 12 oder 13 behandelt werden kann. 3.2 Herleitung der Verteilung Maxwell geht von der plausiblen Annahme aus, dass sich die Gasteilchen auf den gesamten, zur Verfügung stehenden Geschwindigkeitsbereich von -∞ < vx < +∞ verteilen. Wx1 ~ Δvx1 oder mit f1 als Proportionalitätsfaktor. Den Begriff der Wahrscheinlichkeit führt man an dieser Stelle sinnvoller weise ein, weil sich
mit ihm im folgenden besser rechnen lässt als jeweils mit Teilchenzahlen, was
auch möglich gewesen wäre. Die Wahrscheinlichkeit gibt ja an, welcher Bruchteil
der insgesamt vorhandenen Teilchen eine bestimmte Eigenschaft besitzt, hier
also eine bestimmte Geschwindigkeit. Wx2 ~ Δvx2 oder Die Proportionalitätsfaktoren f1 und f2 müssen nicht gleich sein, da sich die Teilchen nicht unbedingt gleichmäßig auf den gesamten Geschwindigkeitsbereich verteilen. Die Faktoren f1 und f2 hängen vielmehr von vx1 bzw. vx2 ab. Allgemein gilt also für die Wahrscheinlichkeit, Teilchen mit einer Geschwindigkeit in x- Richtung zwischen vx und vx + Δvx zu finden: Wx = f(vx)*Δvx. (1) Für die y- und z-Richtung gelten natürlich ähnliche Überlegungen, so dass gilt: Wy = f(vy)*Δvy. (2) Gesucht werden: f(vx), f(vy) und f(vz). Denn sie geben an, wie sich die Teilchen für die einzelnen Geschwindigkeitsrichtungen auf das mögliche Geschwindigkeitsintervall verteilen. Dazu überlegen wir zunächst, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, Teilchen im Geschwindigkeitskästchen Δvx*Δvy*Δvz zu finden. Da die Geschwindigkeitsrichtungen nach dem Superpositionsprinzip unabhängig voneinander sind, gilt: Wxyz = f(vx)*f(vy)*f(vz)*Δvx*Δvy*Δvz. (4) Diese Aussage lässt sich am besten an einem Beispiel
erläutern. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem Würfel eine eins zu würfeln, ist
1/6. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem roten Würfel eine eins und gleichzeitig
mit einem blauen Würfel eine zwei zu würfeln, ist 1/36. Denn von 36 möglichen
Kombinationen hat nur eine die gewünschte Eigenschaft. Die Reihe lässt sich
beliebig fortsetzen. Die Einzelwahrscheinlichkeiten müssen also miteinander
multipliziert werden, um die Gesamtwahrscheinlichkeit zu erhalten, wenn zwei
voneinander unabhängige Ereignisse gleichzeitig eintreten sollen. f(vx)*f(vy)*f(vz) = f(-vx)*f(-vy)*f(-vz). (5) Das Produkt f(vx)*f(vy)*f(vz) kann daher offenbar nur eine Funktion des Betrages der Geschwindigkeit sein, oder: f(vx)*f(vy)*f(vz) = F(v). (6) Aus dieser sehr allgemeinen Gleichung berechnet Maxwell mit Hilfe einiger mathematischer Tricks f(vx), f(vy), f(vz) und damit F(v). Folgende Schritte werden durchlaufen: a) Logarithmierung von (6) liefert: ln(f(vx)*f(vy)*f(vz)) = ln(F(v)) b) Differentiation nach vx ergibt: f´(vx) F´(v) dv oder: f´(vx) F´(v) da dv vx wegen v2 = vx2 + vy2 + vz2. c) Durch Differentiation von (8) nach vy erhält man: d F´(v) d f´(vx) da die rechte Seite von (8) nicht von vy abhängt. f´(vx) wobei die Konstante gleich -2γ1 gesetzt wurde, weil sich damit im folgenden besser rechnen lässt. d) Integration nach vx und Aufheben des Logarithmus ergibt: f(vx) = a1*exp(-γ1*vx2) (10) mit a1 als Integrationskonstante. f(vy) = a2*exp(-γ2*vy2) (11) f(vz) = a3*exp(-γ3*vz2) (12) Es gilt nun, die Konstanten a1, a2, a3, γ1, γ2 und γ3 mit Hilfe einiger physikalischer Überlegungen zu bestimmen. Alle Teilchen besitzen in x-Richtung irgendeine Geschwindigkeit zwischen -∞ und +∞. Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten in x-Richtung muss daher gleich 1 sein, also: Wx1 + Wx2 + Wx3 + ... = 1 oder f(vx1)*Δvx1 + f(vx2)*Δvx2 + f(vx3)*Δvx3 + ... = 1. Der Übergang von der Summe zum Integral liefert: +∞ Mit einiger recht schwieriger Mathematik, die sie in [2] nachlesen können, folgt: (γ1)1/2 Die gleichen Überlegungen gelten natürlich auch in y- und z-Richtung, so dass: (γ2)1/2 (γ3)1/2 ist. Wir haben damit die a’s in Abhängigkeit von den γ’s gefunden. Wenn wir also noch die γ’s berechnen, so haben wir gleichzeitig die a’s. Dazu stellen wir folgende Überlegung an. Die mittlere kinetische Energie Ekm eines Teilchens ist Ekm = 1/2*m*vm2 = 1/2*m*(vmx2 + vmy2 + vmz2). mit vm2, vmx2, vmy2 und vmz2 als mittlere Geschwindigkeitsquadrate. Ekin = 3/2*k*T, wie in Kapitel 2.3 erklärt wurde. Maxwell nimmt nun ebenfalls an, dass sich die Energie auf die drei Raumrichtungen gleichmäßig verteilt, so dass die mittlere kinetische Energie in eine der Richtungen 1/3 der Gesamtenergie ist, also Ekmx = Ekmy = Ekmz = 1/2*m*vmx2 = 1/2*m*vmy2 = 1/2*m*vmz2 = 1/2*k*T oder: vmx2 = vmy2 = vmz2 = k*T/m (16) vmx2 ist aber andererseits definitionsgemäß: vx12*n1 + vx22*n2 + vx32*n3 ... Hierin ist n1, n2, n3... die Zahl der Teilchen mit der Geschwindigkeit vx1, vx2, vx3 ... in x-Richtung und N die Gesamtzahl der Teilchen. Die verschiedenen n-Werte lassen sich aus der Wahrscheinlichkeit f(vx)*Δvx, mit der vx auftritt, und der Gesamtzahl der vorhandenen Teilchen nach n = N*f(vx)*Δvx (18) berechnen. Gleichung (18) jeweils für die
verschiedenen Geschwindigkeiten in Gleichung (17)
eingesetzt liefert: vmx2 = vx12*f(vx1)*Δvx1 + vx22*f(vx2)*Δvx2 +
vx32*f(vx3)*Δvx3 Der Übergang von der Summe zum Integral ergibt: +∞ Die Grenzen des Integrals bestimmen sich daraus, dass Teilchen mit beliebigen Geschwindigkeiten auftreten können. Die Berechnung des Integrals unter Benutzung der Gleichungen (10) und (13) gestaltet sich recht schwierig [2]. Wir wollen daher nur das Ergebnis angeben: vmx2 = 1/(2*γ1) (19) Aus Gleichung (19) folgt mit Gleichung (16): γ1 = m/(2*k*T) (20) Aus ähnlichen Überlegungen für die y- und z-Richtung ergibt sich: γ2 = γ3 = m(2*k*T) (21) Die Gleichungen (10), (11) und (12) gehen daher unter Berücksichtigung der Gleichungen (13), (14), (15) und (21) über in: f(vx) = (m/(2π*k*T))1/2*exp(-m*vx2/(2*k*T)) (22) f(vy) = (m/(2π*k*T))1/2*exp(-m*vy2/(2*k*T)) (23) f(vz) = (m/(2π*k*T))1/2*exp(-m*vz2/(2*k*T)) (24). Die Gesamtwahrscheinlichkeit, Teilchen im Geschwindigkeitsintervall Δvx*Δvy*Δvz zu finden, errechnet sich also nach Gleichung (4) zu: Wxyz = (m/(2π*k*T))3/2* = (m/(2π*k*T))3/2*exp(-m*v2/(2*k*T))*Δvx*Δvy*Δvz (25) Die Zahl der Teilchen n’ im Geschwindigkeitskästchen Δvx*Δvy*Δvz beträgt dann, wenn N die Gesamtzahl der Teilchen ist: n’ = N*Wxyz = N*(m/(2π*k*T))3/2*exp(-m*v2/(2*k*T))*Δvx*Δvy*Δvz (26) Gemessen werden nur Geschwindigkeitsbeträge. Es interessiert daher der Anteil der Teilchen Δn, die im Intervall v und v + Δv anzutreffen sind. Aus der Abb. 1 folgt unter Berücksichtigung der z-Richtung:
V(v +
Δv) - V(v) V bezeichnet darin den Geschwindigkeitsraum. Für den Zähler von Gleichung (27) findet man näherungsweise: V(v + Δv) - V(v) = 4/3π*(v + Δv)3 - 4/3π*v3 ≈ 4π*v2*Δv (28) wenn man die Faktoren mit höheren Potenzen von Δv vernachlässigt, was erlaubt ist, wenn man Δv möglichst klein wählt. Setzt man die Gleichungen (28) und (26) in Gleichung (27) ein, so erhält man: Δn = N*(m/(2π*k*T))3/2*exp(-m*v2/(2*k*T))*4π*v2*Δv (29) Da andererseits Δn = N*F(v)*Δv, ist, erhält man folglich für den in Gleichung (6) gesuchten Proportionalitätsfaktor F(v): F(v) = (m/(2π*k*T))3/2*exp(-m*v2/(2*k*T))*4π*v2 worin zur Vereinfachung für die nachfolgenden Überlegungen in Kapitel 3.3 und 3.4 a = (2*k*T/m)1/2 gesetzt wurde. Die Funktion F(v) gibt an, welcher Anteil Δn der insgesamt vorhandenen Teilchen N Geschwindigkeiten im Bereich v und v + Δv besitzt. Man erkennt, dass sich die Teilchen nicht gleichmäßig auf alle Geschwindigkeiten verteilen, da die Verteilungsfunktion ihrerseits von v abhängt. Stellt man sie mit Hilfe von Excel für verschiedene Temperaturen graphisch dar, so bekommt man die Kurve in Abb. 2.
Zwei Besonderheiten fallen bei steigender Temperatur am Kurvenverlauf auf:
Eine genaue Überprüfung des Kurvenverlaufes ist mit schulischen Mitteln nicht möglich. Sie wurde 1955 zum ersten Mal von Miller und Kusch mit Thalliumatomen durchgeführt.
Abb. 3 zeigt den von ihnen verwendeten Versuchsaufbau. Im Ofen O wird Thalliumdampf mit Temperaturen um 900 K erzeugt. Er verlässt ihn bei S in einem feinen Strahl. Im Zylinder R befinden sich feine Rillen. Bei passender Geschwindigkeit eines Thalliumatoms läuft es bei einer bestimmten Rotationsgeschwindigkeit ω des Zylinders exakt einer solchen Rille entlang und wird vom Detektor D registriert. Anderenfalls wird es an den Rändern der Rillen verschluckt. Mit Hilfe des Drehwinkels Φ des Zylinders während des Fluges erhält man für die Geschwindigkeit eines Teilchens v = l*ω/Φ mit l als Länge des Zylinders. F(v) = 4/π1/2*v3/a3*exp(-v2/a2) (31).
Diese Funktion unterscheidet sich um
den Faktor v von der von Maxwell abgeleiteten. Miller und Kusch erklären diese
Diskrepanz damit, dass im Strahl eine etwas andere Verteilung der
Geschwindigkeiten herrsche als im Ofen. Atome mit höherer Geschwindigkeit
verlassen den Ofen nämlich mit größerer Wahrscheinlichkeit als Teilchen mit
kleinerer Geschwindigkeit. Für sie ist nämlich die Häufigkeit, mit der sie das
Loch treffen, größer. Da die Trefferquote proportional zu v ist, ergibt sich
insgesamt die Verteilung in Gleichung (31).
Die Abb.5 zeigt dieses Modell. Über einen Motor werden in einer flachen Kammer kleine Kugeln durch eine Rüttelplatte in heftige Bewegungen versetzt. Sie heben dabei einen Stempel hoch. Übersteigt der Stempel eine gewisse Höhe, so gibt er in der Seitenwand eine Lochblende frei. Durch sie können Teilchen mit einer Geschwindigkeit in horizontaler Richtung die Kammer verlassen. Vor die Blende wird eine Filterkammer mit Ringsektoren gesetzt. Damit während des Versuches ständig gleiche Bedingungen herrschen, müssen laufend so viele Kugeln nachgefüllt werden, wie Kugeln die Kammer durch die Blende verlassen. Die Kugeln, die in die einzelnen Sektoren fallen, sammeln sich in einer darunter befindlichen entsprechend unterteilten Flachkammer und können danach gezählt werden. Da die einzelnen austretenden Kugeln einen horizontalen Wurf ausführen, kann man ihre Geschwindigkeit aus ihrer Wurfweite nach den Gesetzen des horizontalen Wurfes gemäß der Gleichung v = w*(g/2*h)1/2. errechnen. Darin ist w die Wurfweite einer einzelnen Kugeln und h ihre feste Fallhöhe h = 0,08 m. Man erhält damit die Kurve in Abb.6.
Die einzelnen Messpunkte (Dreiecke) liegen recht gut
auf der theoretischen Kurve (durchgezogene Linie) der Maxwellschen Verteilung
nach Abb. 2. Die Messwerte stellen die Summe aus mehreren Versuchsreihen dar,
wobei insgesamt N0 = 1340 Kugeln registriert wurden. 3.3 Herleitung der Formel für vm Für die mittlere Geschwindigkeit vm gilt definitionsgemäß: v1*Δn1
+ v2*Δn2 + v3*Δn3 ... Hierin ist Δn1, Δn2, Δn3... die Zahl der Teilchen mit der Geschwindigkeit v1, v2, v3 ... und N die Gesamtzahl der Teilchen. Für die einzelnen Δn’s ergibt sich jeweils nach den Überlegungen in Kapitel 3.2 Δn = N*F(v)*Δv (2) Setzt man Gleichung (2) für die einzelnen Geschwindigkeiten in Gleichung (1) und geht von der Summe zum Integral über, so ergibt sich: ∞ Die Grenzen des Integrals bestimmen sich daraus, dass der Betrag der Geschwindigkeit Werte von 0 bis ∞ annehmen kann. Mit F(v) aus Kapitel 3.2 erhält man also ∞ Die Auswertung des Integrals gestaltet sich mathematisch recht schwierig [1]. Wir wollen daher nur das Ergebnis mitteilen. Es lautet: vm = ((8*k*T)/(π*m))1/2. Die vereinfachte Grundgleichung der Gaskinetik liefert für vme (s. Kapitel 2.3). vme = ((3*k*T)/m)1/2 = 1,08*vm. Setzt man die Werte des Versuches von Stern [1] in diese Gleichungen ein, so erhält man mit T = 2300 K vm = 670 m/s und Stern erhielt bei seinen Messungen einen Mittelwert von vm = 675 m/s. Die nach der exakten Theorie erhaltenen Werte für vm liegen damit in der Tat um knapp 10% unter den Werten der vereinfachten Theorie (s. Kapitel 3.1) und stimmen mit den Messwerten von Stern [1] sehr gut überein. 3.4 Herleitung der Formel für vw Die wahrscheinlichste Geschwindigkeit ist die, die am häufigsten auftritt. Sie entspricht dem Maximum der Verteilungsfunktion F(v) (s. Kapitel 3.2 Gleichung (30)). Um sie zu erhalten, muss man daher zunächst die erste Ableitung dieser Funktion bilden und diese gleich null setzen. Sie lautet: dF(v)/dv = 8/π1/2*vw/a3*exp(-vw2/a2)*(1 - vw2/a2) = 0 (1) Dieser Ausdruck kann nur null sein, wenn der Faktor in der Klammer null ist. Somit gilt: vw = a = (2*k*T/m)1/2 (2) Für die Thalliumatome aus dem Versuch von Miller und Kusch betragen sie mit T1 = 870 K und vw1 = (2*1,38*10-23J/K*870K/(204,4*1,67*10-27kg))1/2
vw2 = 276 m/s. Gemessen haben Miller und Kusch [3] aber vw1 = 376 m/s und Für die Diskrepanz zwischen Theorie und Experiment
habe ich keine Erklärung gefunden. Allerdings deutet alles auf einen
systematischen Fehler im Versuch von Miller und Kusch hin, da in beiden
Verteilungen (30) und (31) die Lage der Maxima übereinstimmt (s. Kapitel
3.2).
Wie kommt es dazu? Die wahrscheinlichste und die mittlere Geschwindigkeit sind nicht identisch, da der Kurvenverlauf nicht zu vw symmetrisch ist. (s. Kapitel 3.2). Die Wurzel aus dem mittleren Geschwindigkeitsquadrat leitet sich dagegen aus der mittleren Energie eines Gasteilchens her. Zwischen diesen drei Geschwindigkeiten besteht folgender Zusammenhang vw < vm < (vm2)1/2, da gilt: vm = (8/2π)1/2*vw = 1,129*vw und (vm2)1/2 = (3/2)1/2*vw = 1,224*vw. 4. Anwendungsbeispiele 4.1 Ausströmungsgesetz von Bunsen Um die grundsätzlichen Überlegungen der Gaskinetik auch im schulischen Bereich im Realexperiment demonstrieren zu können, bietet sich das Ausströmungsgesetz von Bunsen an. Die Idee zu diesem Experiment findet man in [4].
Geräte: Aufbau:
Durchführung: Ergebnisse:
Ausströmungsversuches Trägt man in einem Diagramm tA gegen die Wurzel aus der Molmasse M auf, so erhält man die Kurve in Abb.2.
Aus der Kurve erkennt man sofort, dass die Ausströmzeiten sich proportional zur Wurzel aus der Molmasse der Gase verhalten. Theorie: N’ = 1/6*N*V’/V0 (1) diese Wand, wobei für V’ gilt: (s. Kapitel 2.3) V’ = A*vm*Δt. Hierin bedeuten: A: Querschnitt des Kolbenprobers Austreten können aber nur die Gasteilchen N’’, die das Loch der Austrittsdüse treffen. Für sie gilt mit A1 als Querschnitt des Loches: N’’ = N’*A1/A = 1/6*N*vm*Δt*A1/V. Wenn alles Gas ausgeströmt ist, so ist N’’= N, V = V0 und Δt = tA mit tA als Ausströmzeit. Es folgt daher: tA = 6*V0/(A1*vm) (2). Nach den Überlegungen aus Kapitel 3.3 gilt aber für vm: vm = (8*k*T/(π*m)1/2 (3). Andererseits ist: m = M/NA (4) mit NA als Avogadrokonstante. Setzt man die Gleichungen (3) und (4) in Gleichung (2) ein, so erhält man: 6*V0*π1/2*M1/2 da alle Größen außer der Molmasse während des
Versuches konstant gehalten werden. Nach der Theorie müssten folglich die
Ausströmzeiten proportional zur Wurzel aus der Molmasse sein, was sich im
Versuch bestätigt hat. 6*V0*π1/2 mit R als allgemeiner Gaskonstante. Für sie gilt: R = k*NA. Die einzelnen Größen haben folgende Werte: V0 = 60 ml = 6*10-5 m3 Daraus ergibt sich für A1 A1 = 2,94*10-8 m2 oder für den Durchmesser d der Nadelspitze d = 2*(A1/π)1/2 = 1,93*10-4 m = 0,193 mm. Mit der Schiebelehre erhält man für die Spitzen
feiner Nähnadeln Durchmesser zwischen ca. 0,2 mmm und 0,3 mm, wobei eine genaue
Kontrolle sehr schwierig ist, da man nicht weiß, wie tief man die Nadel in die
Alufolie gestoßen hat. Theorie und Experiment stimmen also im Rahmen der
Messgenauigkeit durchaus zufriedenstellend überein. 4.2 Stirlingmotor
4.2.1 Grundsätzliches
4.2.2 Experiment
In Takt I (s. Abb.2) gibt die Heizung Wärme an die Luft im unteren Teil des Zylinders ab, die sich bei der Temperatur TH ausdehnt und den Arbeitskolben nach oben drückt. Der blau-rot gestreifte Verdrängerkolben kühlt sich und die Luft derweil am Kältereservoir ab und hält somit die Temperatur konstant.
In Takt II (s. Abb.3) bewegt sich der Verdrängerkolben nach unten. Er nimmt Wärme von der heißen Luft auf, die sich dadurch auf TT abkühlt. Der Arbeitskolben verharrt an seinem höchsten Punkt.
In Takt III (s. Abb.4) komprimiert der Arbeitskolben bei der Temperatur TT die Luft im oberen Teil des Zylinders. Das Kühlreservoir führt die dabei produzierte Wärme an die Umgebung ab. Der Verdrängerkolben heizt sich währenddessen durch die Luft und die Wärmequelle weiter auf.
In Takt IV (s. Abb.5) bewegt sich der Verdrängerkolben nach oben und gibt seine Wärme an die abgekühlte Luft im Zylinder ab, die sich daraufhin auf TH erwärmt. Der Arbeitskolben bleibt in seiner tiefsten Position stehen.
4.2.3 Theorie
Durch die Expansion des Gases wird in Takt I eine mechanische Arbeit WI verrichtet. Die dazu benötigte Wärme QI wird der Umgebung entzogen. Es gilt nach Kapitel 2.4.1: WI = QI = n*R*TH*ln(V2/V1) wobei TH die Temperatur des Wärmereservoirs ist. Der Druck sinkt dabei auf p2 = P1*V1/V2. In Takt II wird in einem isochoren Prozess Wärme QII an die Umgebung abgegeben. Für sie gilt nach Kapitel 2.4.3: QII = cV*n*ΔT. mit ΔT = TH - TT. Darin ist TT die Temperatur des Kältereservoirs. Der Druck sinkt dabei auf p3 = p2*TT/TH. Durch die Kompression in Takt III wird am Gas die Arbeit WIII verrichtet. Es erwärmt sich. Die Wärme QIII wird jedoch sofort an die Umgebung abgeführt. Es gilt: WIII = QIII = n*R*TT*ln(V2/V1) wobei TT die Temperatur des Kältereservoirs ist. Der Druck steigt dabei auf P4 = P3*V2/V1. Im vierten Takt nimmt das Gas in einem isochoren Vorgang die Wärme QIV aus der Umgebung auf. Für sie gilt nach Kapitel 2.4.3: QIV = cV*n*ΔT mit ΔT = TH - TT. Sie entspricht somit der in Takt II an die Umgebung abgegebenen Wärme QII. Der Druck steigt dabei auf p5 = P4*TH/TT und erreicht damit wieder den Anfangswert p1 der Periode. Der Kreislauf hat sich geschlossen. Insgesamt wird in einem Zyklus die mechanische Nutzarbeit Wnutz gewonnen: Wnutz = WI - WIII = n*R*ln(V2/V1)*(TH - TT). Der maximale Wirkungsgrad η des Motors beträgt mit Wauf als insgesamt aufgewendeter Energie η = Wnutz/Wauf = (WI - WIII)/WI = (TH - TT)/TH = 1 - TT/TH. Dabei muss WI in Form von Wärme dem Motor zur Verfügung gestellt
werden. Die Energie WIII wird als nutzlose Abwärme abgeführt. Der
Wirkungsgrad kann verbessert werden, indem man TH erhöht oder TT
bis zum absoluten Nullpunkt absenkt. Reale Stirlingmotoren erreichen diesen
maximalen Wirkungsgrad η natürlich nicht, da in ihnen durch Reibung ein Teil der
Nutzarbeit in Wärme umgewandelt wird. Bei einigen technischen Stirlingmotoren
hat man etwa 50% des maximal möglichen Wertes erzielt. SI = QI/TH = n*R*ln(V2/V1) und SIII = QIII/TT = n*R*ln(V2/V1). Beide sind zahlenmäßig identisch. Die Entropie SI ist jedoch negativ, da der Umgebung Wärme entzogen wird, während sie in Takt III an die Umgebung abgeführt wird. Insgesamt ist die mit der Umgebung ausgetauschte Entropie ΔS ΔS = SIII – SI = 0. Beim realen Motor nimmt die Entropie insgesamt zu, da zusätzliche Wärme aufgrund der Reibung an die Umgebung abgegeben wird. 4.3 Wärmepumpe 4.3.1
Theorie • Takt I (Abb.1: III): isotherme Expansion Als Gütemaß der Maschine definiert man die so genannte Leistungsziffer LZ. Sie bezeichnet den Quotienten aus Nutzenergie Enutz und insgesamt aufgewendeter Energie Eauf. Für die Wärmepumpe gilt also: LZ = WIII/(WIII – WI) = TH/(TH – TT), Für eine Kühlmaschine erhält man: LZ = WI/(WIII – WI) = TT/(TH – TT) Im ersten Falle ist die Nutzenergie die insgesamt an den Raum abgeführte
Wärme beim höheren Temperaturniveau, im zweiten die dem kälteren Wärmereservoir
entzogene Wärme. In beiden Fällen muss ein Motor die Arbeit WIII- WI
verrichten. Man kann die Leistungsziffern rein theoretisch steigern, in dem man
die Temperatur der beiden Wärmereservoirs einander annähert. Dann würde mit sehr
geringem Arbeitsaufwand Wärme von einem kälteren Körper zu einem wärmeren
gepumpt. Dadurch würden jedoch zugleich ihre Temperaturen immer mehr
auseinanderdriften, was ihrerseits wiederum eine Verschlechterung der
Leistungsziffer zur Folge hätte.
4.3.2 Beispiel LZ = 313K/(313K – 283K) Eine reale Wärmepumpe erreicht also nur P1 = 2,5*100%/10,4 bzw. P2 = 4*100%/10,4 des maximal möglichen Wertes. Das liegt vor allem an
den begrenzten Wirkungsgraden der beteiligten Komponenten. Heute gebräuchliche
Wärmepumpen liefern somit kaum einen oder keinen Beitrag zur Minderung des
globalen CO2-Ausstoßes, da bei der Erzeugung des Stromes in einem
Kohlekraftwerk pro Kilowattstunde etwa viermal soviel CO2 freigesetzt
wird wie bei der Verbrennung von Heizöl in einem modernen Brennwertkessel.9) Für
den bei uns üblichen Strommix aus 60% Kohlestrom und 40% CO2-freiem
Strom aus Atomkraftwerken und regenerativen Energiequellen muss die
Leistungsziffer mindestens den Wert 2,4 übersteigen, um im laufenden Betrieb auf
eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu kommen. Dabei bleibt allerdings der
höhere Energieaufwand bei der Installation der Wärmepumpe unberücksichtigt. Wärmepumpe: Ölheizung: Damit spart man mit einer Wärmepumpe pro Jahr an Betriebskosten maximal K = (1540 + 50 + 120)€ – (990 – 250)€ Um die Mehrkosten in der Anschaffung amortisieren zu können, müsste die Wärmepumpenheizung im günstigsten Fall mindestens z = (30000 - 8000)€/470€ störungsfrei betrieben werden. Wärmepumpenheizungen haben aber nur eine ähnliche Lebenserwartung wie Ölheizungen, nämlich 12- 15 Jahre, wobei auch die Erdkollektoren nach 20 – 25 Jahren erneuert werden müssen. Im ungünstigsten Fall sind die laufenden Kosten bei der Wärmepumpenheizung sogar höher als bei einer herkömmlichen Ölheizung. Wärmepumpen rechnen sich daher weder ökologisch noch ökonomisch. Ökologisch sinnvoll werden sie erst, wenn es gelingt, ihre Leistungsziffer zu verdoppeln, oder wenn der verbrauchte Strom komplett CO2-frei produziert werden kann, etwa durch solarthermische Kraftwerke in den Wüstenregionen unserer Erde. Aber wirtschaftlich arbeiten sie auch dann noch nicht, da der Strompreis beim Einsatz von Solarstrom eher steigt als sinkt, vor allem, wenn er mit Solarzellen gewonnen wird. Senkt man den Energiebedarf des Hauses durch zusätzliche bauliche Maßnahmen, in dem man die Wände und das Dach besser isoliert, den alten Heizkessel durch einen modernen Brennwertkessel ersetzt und die Fenster gegen solche mit besserem K-Wert austauscht, so wird der Einsatz einer Wärmepumpe vollends unrentabel. Die Kosteneinsparung durch die Wärmepumpe sinkt proportional mit dem Energiebedarf, während die Fixkosten sich kaum ändern. Die Amortisierungszeiten steigen in astronomische Höhen. Vergleichbare Überlegungen gelten für die CO2-Bilanz. Sie ist immer weniger ausgeglichen und wird rasch negativ. 5. Literatur [1] Wilfried Kuhn, Physik III Thermodynamik und
Statistik, Braunschweig 1971 |