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Reaktionskinetik am Einleitung: In der Reaktionskinetik spielt die Reaktion zwischen Fixiersalz und Schwefelsäure in der Schule insofern eine wichtige Rolle, als sich mit ihr das Geschwindigkeitsgesetz 1. Ordnung ebenso gut in Schülerübungen ableiten lässt, wie die Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Temperatur. In verschiedenen Experimentierbüchern wird dabei vorgeschlagen, den Endpunkt der Reaktion dadurch zu ermitteln, dass man das Reaktionsgefäß auf ein weißes Blatt Papier stellt, auf das man ein schwarzes Kreuz zeichnet. Die Zeit wird gestoppt, wenn man das Kreuz nicht mehr sieht. Nach eigenen Erfahrungen mit Schülern erhält man nach diesem Verfahren insgesamt einigermaßen brauchbare, aber doch schlecht reproduzierbare Ergebnisse. Sie weichen außerdem bei verschiedenen Experimentiergruppen stark von einander ab, so dass eine sinnvolle Mittelwertbildung häufig nicht möglich ist. Dieses Problem lässt sich umgehen, wenn man zur Erkennung des Endpunktes die kleine Schaltung aus Abb. 1 einsetzt. Es handelt sich dabei um einen Schwellwertschalter, der über einen Photowiderstand gesteuert wird.
Bauteile und Aufbau: Die Schaltung lässt sich auf zweierlei Art verwirklichen. Entweder benutzt man die Elektronikbaukästen, die in verschiedenen Physiksammlungen vorhanden sind, oder man verlötet die Bauteile auf einer Lochrasterplatine und baut sie in ein kleines Gehäuse ein. Mit etwas Löt- und Bastelerfahrung stellt der zweite Weg kein großes Hindernis dar. Er hat auf jeden Fall den Vorteil, dass man ein kompaktes Gerät erhält, das die Schüler sehr einfach handhaben können. Außerdem ist die Gefahr dann wesentlich geringer, dass durch unsachgemäße Behandlung während des Versuches Bauteile zerstört werden. Man benötigt folgende Teile:
Tabelle 1: Bauteile
Abb.2 zeigt die Anordnung der Teile auf einer Lochrasterplatine. Die Größe des Vorwiderstandes für den LDR hängt vom verwendeten Fotowiderstand ab. Beim LDR 03 oder LDR 05 beträgt er 2,2 kΩ, beim A9060 6,9 kΩ. Auf jeden Fall sollte die Schaltung so empfindlich sein, dass man in 20 cm Entfernung vor einer 40 W Schreibtischlampe die Kontrolllampe durch Drehen des Potentiometers gerade noch einschalten kann. Die Kontrolllampe befestigt man am Gehäuse mit einer kleinen Fassung, die ihrerseits über eine kleine Schraube am Gehäuse festgemacht wird. Das Potentiometer lässt sich direkt mit der beiliegenden Mutter verschrauben. Den Photowiderstand bringt man so auf der Platine an, dass seine lichtempfindliche Fläche in ein kleines Loch in der Stirnfläche des Gehäuses passt. Die benötigte Betriebsspannung entnimmt man einer 9 V Blockbatterie, die bei einem Gehäuse mit Batteriefach direkt im Gehäuse versenkt wird, nachdem man sie an einen Batterieclip angeschlossen hat. Den Ein/Aus- Schalter verschraubt man an einer Seitenfläche des Gehäuses. Er wird zwischen den Pluspol des Batterieclips und den Pluspol der Schaltung gelegt. Abb. 3. zeigt den fertigen Trübungsanzeiger.
An der roten und schwarzen Buchse kann man ein Steuersignal entnehmen, mit dem eine elektronische Uhr nach Erreichen der eingestellten Trübung automatisch gestoppt werden kann. Dazu werden die Buchsen mit dem Stoppeingang der Uhr verbunden. Einsatz und Betrieb: Um mit dem Trübungsschalter die Reaktionszeiten für verschiedene Konzentrationen an Fixiersalz und verschiedene Temperaturen zu messen, benutzt man den Aufbau nach Abb.4. Als Lampe dient eine Experimentierlampe mit 30 W aus der Physiksammlung, deren Licht durch Verstellen der Kondensorlinse auf den LDR gebündelt wird. Gegebenenfalls verbindet man den Steuerausgang der Schaltung mit dem Stoppeingang einer elektronischen Uhr oder eines Messwerterfassungssystem, wie z. B. Cassy von Leybold, das an einen Computer angeschlossen wird. Als Glasgefäß bietet sich ein kleiner Standzylinder an, wobei man darauf achten sollte, dass der Photowiderstand nicht von einer eventuell vorhandenen Schrift auf dem Zylinder verdeckt wird. Vor der ersten Messung bringt man zwischen die Lampe und den Trübungsanzeiger einen Standzylinder mit 50 ml Wasser. Dann stellt man das Potentiometer so ein, dass die Lampe gerade aufleuchtet. Soll die Lampe erst bei stärkerer Trübung erlöschen, so dreht man das Potentiometer etwas über diesen Punkt hinaus. Danach darf das Potentiometer nicht mehr verstellt werden.
Versuch 1:
Tabelle 2: Versuchsergebnisse Versuch 1 Auswertung: Um die Versuchsergebnisse auswerten zu können, errechnet man zunächst die Konzentrationen c an Fixiersalz in den einzelnen Versuchen. Es gilt: c = c*(Na2S2O3)*V(Na2S2O3)/(V(Na2S2O3) + V(H20) + V(H2SO4)) Außerdem benötigt man noch 1/t, da die Reaktionsgeschwindigkeit umgekehrt proportional zu t ist. Damit erhält man Tabelle 3, die man mit Excel auswerten kann.
Tabelle 3: Man bekommt die Kurve in Abb.5.
Auffallend ist, dass die Gerade nicht durch den Nullpunkt verläuft. Das wird allerdings verständlich, wenn man sich überlegt, dass die Konzentration an Fixiersalz während des Versuches sinkt, da es sich in Schwefel umwandelt. Entspricht die Ausgangskonzentration c der Konzentration des y-Achsenabschnittes, so würde es offensichtlich unendlich lange dauern, bis die Uhr stoppt, da dann 1/t gleich Null ist. Diese Konzentration ist also mindestens erforderlich, um eine endliche Zeit zu erhalten. Sie ist damit aber auch die Konzentration Δc, die an Schwefel gebildet wurde, wenn die Uhr stehen bleibt, da Fixiersalz und Schwefel nach der Reaktionsgleichung Na2S2O3 → S + Na2SO3 im Verhältnis 1:1 reagieren. Somit kann man die Reaktionsgeschwindigkeiten v in den einzelnen Teilversuchen ermitteln, wobei sich die errechneten Werte jeweils auf die mittlere Versuchskonzentrationen cm beziehen. Denn während der Reaktion sinkt die Fixiersalzkonzentration um c ab, weil sich Fixiersalz in Schwefel umsetzt. Es gelten folgende Beziehungen: cm = c - Δc/2 v = Δc/Δt = Δc/t da die Uhr jeweils mit Null gestartet wird. Damit bekommt man für die Reaktionsgeschwindigkeiten v in Abhängigkeit von der mittleren Konzentration cm Tabelle 4:
Tabelle 4:
Reaktionsgeschwindigkeiten Wertet man diese Tabelle aus, so erhält man die Kurve in Abb. 6.
Es ergibt sich fast eine Ursprungsgerade. Damit gilt für den Zerfall von Fixiersalz bezogen auf die Konzentration an Fixiersalz folgendes Geschwindigkeit/Konzentration-Gesetz: v = k*c mit k als Geschwindigkeitskonstante. Für sie gilt: k = 0,0015 1/s. Es liegt eine Reaktion 1. Ordnung vor. Versuch 2:
Tabelle 5: Versuchsergebnisse Versuch 2 Auswertung: HS2O3- → S + HSO3-. Dass die Konzentration der H+-Ionen auch einen geringen Einfluss auf die Reaktionsgeschwindigkeit hat, lässt sich mit dem Gleichgewicht H+ + S2O32- ←→ HS2O3- erklären. Erhöht man die H+-Konzentration, so verschiebt sich dieses Gleichgewicht auf die Seite der HS2O3--Ionen. Ihre Konzentration steigt und damit gemäß Versuch 1 die Reaktionsgeschwindigkeit. Versuch 3:
Tabelle 6: Auswertung: Δc = 7,6 mmol. Damit kann man die Reaktionsgeschwindigkeiten für die einzelnen Temperaturen errechnen. Man erhält 7.
Tabelle 7:
Reaktionsgeschwindigkeiten Wertet man die Tabelle mit Excel aus, so ergibt sich die Kurve in Abb. 7.
Folgerung: Übungsaufgabe:
Tabelle 8: Versuchsergebnisse Übungsaufgabe Ergebnis: k = 0,0016 1/s, in guter Übereinstimmung mit dem Wert aus Versuch 1. |